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Das iPad rettet die Welt nicht – warum auch?

iPad (Image: Apple)Das iPad von Apple wird ein Riesenerfolg. ich darf das sagen, denn ich habe das auch dem iPhone prophezeit, als über das erste Apple-Telefon mindestens genau so laut geunkt wurde wie über das Tablet jetzt. Ich will dies gerne begründen.

Das Wichtigste zuerst: Das iPad sieht fantastisch aus und wenn stimmt, was die ersten Schnell-Tester berichten, fühlt es sich sehr gut an. Der Erfolgsfaktor Design wird noch immer unterschätzt und ist in meinen Augen der wichtigste Punkt für alle Apple-Anwendungen und -Geräte. Wer mit Pages anstelle Word schreibt, weiß, was ich meine. Wer einen iPod gegen einen anderen MP3-Player hält, weiß es auch. Und erst recht, wer Windows 7 gegen Mac OS X antreten lässt. Da ist nicht mehr wichtig, ob die Leistung des Prozessors Rekorde bricht – es geht einfach besser von der Hand oder liegt besser in derselben.

Beleg und Vorschau gefällig? Aber gerne: Man nehme ein iPhone und installiere die App „Classics“. Diese stand offensichtlich Pate für Apple iBooks, das Buch-Pendant zu iTunes. da stehen in einem schön anzusehenden Holzregal 25 Bücher, alle lizenzfrei zu haben. Buch antippen, schon schlägt die erste Seite auf. Das Blättern ist dem „echten“ Blättern nachempfunden und macht Spaß – wie auch das Lesen selbst. Wer‘s nicht glaubt: ausprobieren. Tippt man sich zurück, legt „Classics“ ein Lesezeichen. Einfach, schön, einfach schön.

Es ist mir herzlich egal. dass auf dem iPad kein Flash läuft. Ja, da fehlen Webinhalte. Und? Mag sein, dass es ein Politikum ist; mag sein, dass Steve Jobs tatsächlich glaubt, was er sagt, wenn er von Flash als Absturzursache No 1 für Mac OS X berichtet. Apple hat sich noch kaum um Standards geschert und im Zweifelsfall eigene kreiert. Denn auch wenn es Marketinggetöse ist: Apple ist die größte Mobile Company der Welt.

Das düstere Gemurmel von Netzneutralität und offenen Datenstandards  klingt für mich nach Podiumsdiskussion und Polit-Stammtisch, auch wenn Steve Jobs mit seinem schwarzen Pulli in der Jeans ohne Gürtel da nicht weiter auffiele. Netzneutralität bedeutet, dass Inhalte unverändert und ungefiltert durchgeleitet werden. Das iPad hat einen Browser. Ende der Debatte. Und auch die Klage um die Kastration der Entwicklerkreativität dank Apps mag ich nicht erhören. Erstens: Warum sollte Apple kreative Apps ablehnen? Da werden Einzelfälle hochgepeppelt. Zweitens: Das iPad hat einen Browser. Ende der Debatte. Wer nicht so kreativ ist, seine kreative Idee in einem Browser zu realisieren…

Das iPad ist kein Tablet-PC (PC steht für Personal Computer…). Zumindest nicht in dem Sinne, in dem wir das bisher kannten. Das iPad ist etwas Neues. Ich bin sicher: Das iPad wird unser Mediennutzungsverhalten verändern. Nicht alleine und nicht im Sinne einer Umsturzbewegung von heute auf morgen, aber dennoch umfassend und nachhaltig. Seit der iPad-Präsentation, die ich mit schweißnassen Händen über verschiedene Liveticker verfolgt habe (ganz schwach: Spiegel online) fallen mir täglich Situationen ein oder auf, bei denen ich gerne ein iTab hätte.

Schon das iPhone deckt mobil den allergrößten Teil meines IT-Bedarfs ab. Unlängst war ich vier Tage weg vom Schreibtisch – das MacBook samt UMTS-Stick blieb jedoch in der Tasche, über das iPhone konnte ich korrespondieren und Angebote verschicken. Das iPad wird den Bedarf noch weiter abdecken – für meinereiner, der textet, Bilder bearbeitet (ein bisschen), surft, mailt, kauft, verkauft und Social Media bedient. Komplexere Dienste verlagern sich nach und nach in „die Wolke“, etwa Newsletter-Software, Pflege von Presseverteilern, Aussand von Pressemitteilungen und dergleichen mehr. Sonst brauche ich (fast) nichts. Und ich bin Profinutzer.

Mit anderen Worten: Ich bin der Überzeugung, dass das iPad für 99,x Prozent der IT-Nutzer alles kann – und noch mehr. Formulieren wir es also ganz demokratisch als Mehrheitsentscheidung: iPad: Mehr Computer braucht kein Mensch.

Diese These belegt, dass das iPhone in vielen sozialschwachen amerikanischen Haushalten zum Erst-Internetzugang wurde. Für wenig Geld viel Internet immer in der Tasche. Das iPad wird da anknüpfen und diesen Trend verstärken. iPad in der Klapptasche auf den Tisch gestellt, Tastatur davor und fertig ist die Heim-PC-Ausrüstung. Fertig ist in dem Moment übrigens auch der Fernseher, die Spielekonsole und das Bücherregal.

Entwickler auf der ganzen Welt haben erst angefangen, darüber nachzudenken, was man mit dem iPad alles anstellen kann. Auch hier hilft die Genealogie: Das iPad kann alles, was das iPhone kann, nur viel viel besser (Ausnahme: In der Sakkotasche verschwinden). Welche Möglichkeiten sich Dank des deutlich größeren Displays ergeben, ahnen wir alle noch nicht. Auch die Werbewirtschaft wird uns mit ganz neuen Formaten beglücken. Darauf freue ich mich zwar weniger, aber es bietet die perfekte Überleitung zum letzten Punkt.

Apple ist keine konzerngewordene Kulturrevolution und Apple-Produkte sind auch keine Kulturgüter, allenfalls Kult ohne ur. Apple ist ein Unternehmen, das am freien Markt agiert, um seinen Gewinn zu mehren. Das tut es, indem es ungemein geschickt intelligente Produkte auf den Markt bringt und auch danach noch kräftig verdient (iTunes, AppStore). Das ist redlich und legal. Und deswegen muss niemand von Steve Jobs erwarten, dass er die Welt rettet. Er hat Apple gerettet, das genügt doch wohl.

3 Comments

  1. Adrian says:

    Sehr schöner Artikel. Gerade unter dem Kritikwahn vieler. Mir persölich fehlen die persönliche Speicherverwaltung (Und wenn es nur das Homeverzeichnis wäre) und die benötigte Verbindung zu einem Rechner. Gut ich habe ein Macbook und synchronisiere das iPhone auch nur noch sehr sehr selten. Aber es ist nötig, wenn man eigene mp3s auf das Ding bekommen möchte. Ganz zu schweigen von Filmen. Da ist es doch viel einfacher einen Film im iTunesStore auszuleihen. Und genau das möchte ich nicht anfangen.
    Wenn ich mir wirklich ein iPad zulegen sollte, werde ich auf jeden Fall auf die zweite oder dritte Generation warten.

    lg Adrian

    P.S. Was aber sehr gut sein wird, ist die zukünftige Musikproduktion auf dem iPad (Ich brauch da nur an Beatmaker zu denken. Das alles was verfeinert, vielleicht mit externer Soundkarte über das Dock? Wär schon was geniales – vor allem live)

  2. Deutsche Blogs über Handys ohne Vertrag » Das iPad rettet die Welt nicht – warum auch? « GuidoAugustin.com says:

    [...] print24 wrote an interesting post today onHere’s a quick excerptiPad (Image: Apple) Das iPad von Apple wird ein Riesenerfolg. ich darf das sagen, denn ich habe das auch dem iPhone prophezeit, als über das erste Apple-Telefon mindestens genau so laut geunkt wurde wie über das Tablet jetzt. … [...]

  3. Lieber Guido, bestens beobachtet und analysiert, feinsinnig geschrieben – und aus meiner Sicht zu 100% zutreffend.
    Danke sagt Andreas, der sich über kurz oder lang zum iPhone auch ein iPad kaufen wird …

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