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Spanien: Jetlag, Siesta und Stehzwerge

Caffé con LecheIch habe eine neue Liebe: Spanien. Dort ist es schön, dort ist es warm, dort isst und trinkt man gerne, dort lebt, wer lebt und leben will. Eine Reise mit drei starken Erkenntnissen.

Erkenntnis I: Spanien ist das einzige Land unserer Zeitzone, aus dem man mit Jetlag zurück kommt.

Die Zeitumstellung macht gemeinhin nur Fernreisenden zu schaffen. Das gilt genauso für Spanien. Denn wo beispielsweise ein Asientourist seine Armbanduhr umstellen muss, geziemt es sich für den Besucher Spaniens, schnell die innere Uhr umzustellen, will er an den Gepflogenheiten des Lebens teilhaben. Die meisten Bars servieren Frühstück für kleines Geld bis 13 Uhr, ab 14 Uhr 30 beginnt die Mittagspause der werktätigen Bevölkerung, die sich über mindestens drei Stunden erstreckt und von einer kleinen Siesta abgelöst wird, ehe im Verlaufe des späteren Abends das Leben in ungeahnter Intensität erwacht. Dabei ist es dem Spanier egal, ob er vor heißer Sonne flüchten muss, er hält es ganzjährig so oder so ähnlich. Merke: In spanischen Restaurants ist abends um acht so viel los wie in deutschen morgens um fünf.

Erkenntnis II: Alles unangenehme ist nicht spanisch.

Weltbeste Paella im Casa Roberto, Maestro Gozalbo 19, 46005 ValenciaSpanier sind gemeinhin sehr entspannt. Ich habe keinen erlebt, der übellaunig, gestresst oder irgendwie sonst misantropisch gewesen wäre. Das mag für manchen gefährlich sein, etwa für die Passantin mit Hund, die ganz entspannt vor unserem Taxi über den Zebrastreifen ging und von der ganz entspannt weiter fahrenden Taxifahrerin mit den Goldarmbändern beinahe überrollt worden wäre. Irgendwie beruhigend.

Ganz anders streikende Fluglotsen, die Hin- und Rückflug unplanmäßig verlängern – das waren Franzosen.

Der Markt von ValenciaGanz anders übelriechende Fußballfans mit gastrtitischen Fingerknöcheln, die so kulturstark sind, dass sie englische Sprechgesänge bemühen müssen („Let‘s go, let‘s go“ oder „Come on, come on“) – das waren Belgier.

Ganz anders aufgedackelte südeuropäische Schabracken mit riesigen Gladiolen an den Hängeohren. Die riechen auch streng, aber teurer, schimpfen laut oder leise vor sich hin, stauchen ihre bedauernswerten Kinder nach unten und ihre faltgeschmorten Brüste nach oben. Sie sehen aus wie Spanier, doch merke: Unsympathische Spanier sind meist Italiener.

Erkenntnis III: Der gemeine Spanier ist im Stehen so groß wie ich im Sitzen.

Die Spanier sind so gastfreundlich, dass sie etwas höher aufgeschossenen Besuchern ihres Landes den Blick auf ihr wunderschönes Land nicht nehmen wollen. Deswegen sind sie klein geblieben. Sehr klein. Selbst im Sitzen auf einem durchschnittlichen Stuhl auf einer durchschnittlichen spanischen Piazza habe ich noch immer freien Blick auf alles um mich herum. Denn der gemeine Spanier ist auch im Stehen gerade so groß wie ich im Sitzen und die meisten Sehenswürdigkeiten sind über Scheitelhöhe.

Epilog: Die Welt ist von Spanien aus betrachtet auch nicht größer als von jedem anderen Punkt. Wenn ein Besucher, dies kann ich aus der eigenen Erfahrung sagen, in Valencia, einer 800.000-Einwohner-Stadt, drei Mal Taxi fährt, wiederholen sich die Fahrer.

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