Neid wider Eliten: Wieso reich nicht böse ist
Die Spendenaktion Amerikas’ Milliardäre (The giving pledge) wirbelt viel Staub auf. Auf Spiegel Online darf nun Henrik Müller vom Manager Magazin dazu einen real existierenden Kommentar schreiben. Ich würde mir, könnte ich es, die Haare raufen.
Nachdem der Kommentator das “gute Gefühl beim Spenden” ordentlich durch den Kakao gezogen zu haben glaubt, rechtfertigt er erstmal Unternehmertum an sich.
Ist nicht schon Unternehmertum gut für eine Gesellschaft – und wenn es das nicht ist, sollte man nicht lieber über dieses Thema reden?
Eigentlich ist damit alles gesagt, doch dann scheint Müller erschrocken über sich selbst und legt richtig los. Noch immer bin ich mir nicht sicher, ob er es wirklich ernst meint. Doch ich fürchte das Schlimmste.
Die Rolle der Wirtschaftseliten darf sich nicht darauf beschränken, großzügige Spenden zu verteilen und sich ansonsten nicht um die Folgen ihres Geschäftsgebarens zu kümmern.
Die vorrangige Aufgabe der Wirtschaftseliten muss doch sein, Wirtschaftselite zu sein. Das heißt für mich: unternehmerisch zu agieren, Werte zu schöpfen. Und irgendwie hinterlässt Müller hier bei mir das Gefühl, die Eliten richteten qua Existenz Schaden an, deswegen habe ihr “Gebaren” ja auch “Folgen”.
Und wenn der Kommentator schon an Wirtschaftseliten per definitionem nichts Gutes finden mag, bekommt die Gesellschaftsform auch gleich noch einen mit:
Denn eigentlich darf es Eliten ja gar nicht geben: Wer es mit der Freiheit und der Gleichheit der Bürger ernst meint, dem fällt es nicht leicht zu begründen, warum eine Minderheit etwas gleicher sein sollte als der Rest – warum eine kleine Gruppe über mehr Geld, mehr Macht, mehr Prestige, mehr Einfluss verfügen sollte.
Ich musste über 40 Jahre alt werden in diesem Staat, dieser Gesellschaft, um jetzt zu lernen, dass alle gleich sein sollten? Vor dem Gesetz gerne, dem Fiskus auch (eine Chimäre, dagegen spricht allein die Progression) und dann? Wer hat dieses Land (und jedes andere erfolgreiche auch) zu dem gemacht, was es ist, wenn nicht die Eliten? Die Arbeiter- und Bauernstaatler, die Gewerkschaften, die Beamten, die Lehrer oder Kaderpolitiker? Für mich sind Eliten Menschen, die zur rechten Zeit die richtigen Ideen haben und vor allem den Willen, etwas zu schaffen. Sie setzen sich für ihre Interessen ein und haben Erfolg. Sie fordern nicht Hilfeleistungen, sie übernehmen Initiative, sie gehen Risiken ein. Sie ecken an an, stehen im Sturm.
Und sie (Achtung Totschlagsargument) schaffen Arbeitsplätze.
Mit Sorge sehe ich eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die denjenigen, die eine Gesellschaft tragen, die Anerkennung für ihre Leistung verweigert. Leistung und Erfolg werden zerkratzt wie ein Sportwagen an der dunklen Straßenecke – übrigens ein Phänomen, dass unsere europäischen oder transatlantischen Nachbarn nicht kennen. Wer sich etwa in Italien einen Maserati leistet, wird bewundert. In Deutschland wird er allzu häufig beneidet und angefeindet.
Herr Müller, es muss Eliten geben! Es muss Gruppen geben, die Spitzenleistungen bringen, an denen sich die anderen orientieren können. Je mehr dies sind, desto besser, aber naturgemäß können nur wenige die Spitze bilden.
Und wieso erwarten “gerade von Geldeliten … die weniger Begüterten, dass sie ihre Mittel zum Wohl der Vielen einsetzen”? Wie kann es sein, dass die Zugpferde der Nation kein Recht haben, reich zu sein? Wieso darf ein weniger Begüterter es einem Menschen neiden, sein Leben erfolgreicher gestaltet zu haben?
Das kommt mir vor, als müsste eine kraftstrotzende Lokomotive zum Passagierwagen umgebaut werden, damit es allen gleich Recht ergeht. Der Zug wird nicht fahren!
Wir sollten aufhören, Verantwortung für uns bei anderen abzuladen: beim Staat, bei der Schule, dem Arbeitgeber, der Verwaltung, den Ärzten, der Globalisierung, dem Wetter, der Umweltverschmutzung oder den Eltern. Wir sollten anfangen, Verantwortung zu übernehmen – jeder für sich in seinem Wirkungskreis. Die hier Gescholtenen haben dies längst getan.








[...] This post was mentioned on Twitter by Sarah Seifert and michael janisch, Guido Augustin. Guido Augustin said: Ich musste mal Dampf ablassen über Neider und Erfolgshasser. #to http://ow.ly/2mpGy [...]
Dampf ablassen ist immer gut, bevor …, ABER: darf ich Ihren Focus ggf. etwas erweitern?
Denken Sie nicht, dass jeder, insbesondere aber Reichere per se höhere Aufgaben VORBILDLICH zu bewältigen haben, da sich Mehrheiten / Massen an ihnen orientieren?
Wußten Sie, dass die Mehrheit gleich bei der Geburt mit Schulden auf die Welt kommt?
Wußten Sie, dass JEDER Mensch bei seiner Geburt 8 Mio. EUR zur Verfügung haben würde, wenn das globale Geld gleich verteilt wäre.
Wenn es nun nicht gleich verteilt ist, ist es dann nicht wenigstens die Pflicht derer, die mit t.w. höchst unfeinen Mitteln (und dazu zähle ich schon die Erfindung des Zinseszinses, MLM und v.a.m.) dieses Vermögen auf ihrer Seite konzentriert haben, sich um die Folgen dieser Konzentration kümmern sollten? – Jedenfalls, sofern sie sich als gesellschaftliches Wesen in größerem Umfang als dem ihnen direkt Dienlichen sehen?
Und wußten Sie, dass unser schönes Deutschland SEHR FRÜH in den jeweiligen ENTWICKLUNG(!!!)SPHASEN, schon in der Grundschule so bewußt nicht nur siebt, sondern die Schulbehörde ganz klar per SORTIERAUFTRAG prädisponiert, damit später genug Arbeitskräfte und Leute zur Verfügung stehen, die verwaltet werden können, weil dadurch wiederum Leute beschäftigt sind (also auch durchaus Hartz IV’ler ERWÜNSCHT sind)?
Wußten Sie, dass eine Lehrerin (Süddeutschland), die es verstanden hatte, ALLE ihre Schüler so zu motivieren, dass diese hocherfreut nur noch beste Noten schrieben, so dass sie ihnen auch nur beste Noten bescheinigen konnte, nicht nur vom Kollegium gemobbt, sondern auch vom Dienst suspendiert wurde (Monitor-Bericht liegt vor)?
Ist Ihnen bekannt, dass ein Linguistik-Professor konstatiert hat, dass die Unruhen in den Vorstädten von Paris 2005, durch Menschen zustande kamen, deren Wortschatz 250 Worte beträgt, während der “Normal-Franzose” über 2500 Worte verfügt, um sein Elend und seine Notlage überhaupt ausdrücken zu können?
Ist Ihnen klar, dass dieser Teufelskreis nicht enden KANN, weil diese Menschen dadurch nicht die Bildungs- und Ausbildungschancen haben, die ihnen einen Weg aus der Falle überhaupt erst ermöglichen würden?
Ist Ihnen bewußt, dass ausgerechnet Nigeria heute der reichste Staat der Erde wäre, wenn es 1962 nicht von den USA und ihrem eigenen korrupten Machthaber abgezogen worden wären, der “seinen” Anteil (= den des Volkes) auf seine Schweizer Konten gepackt hätte?
Haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, wieviel Korruption global, aber auch – nur so als Beispiel – in der ganz kleinen Berliner Baupolitik dazu beigetragen hat / beiträgt, wieviel Summen wohin fliessen?
Wußten Sie ferner, dass private Arbeitsvermittler (sind keine Einzelfälle und nicht in direktem Kontakt), auch wenn sie noch so erfolgreich sind bzw. erst recht erst dann, von der Bundesagentur für Arbeit, somit einer staatlichen Behörde, finanziert von einer Gesellschaft, die auf Hartz IV’ler schimpft, boykottiert werden?
Was hat jedes einzelne Neugeborene dafür oder dagegen tun können, in diese oder jene PRÄGENDEN Verhältnisse geboren worden zu sein, was jedoch wiederum Basis für die spätere Entwicklung ist, t.w. lebenslang?
Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie in einer armseligen Hütte am Rande der Sahara geboren worden wären? Ggf. mit einer Hautkrankheit, aufgrund der Sie ausserhalb des Dorfes geächtet vegetieren dürften, aber ohne Chance, jemals die Gelder für eine Behandlung zu bekommen? Oder bleiben wir in Germany: geboren am Rand der Berliner Kanalisation?
Und – sind viele Reiche nicht nur deshalb reich (sofern sie diesen Reichtum überhaupt selbst erworben haben), weil sie die “real existierenden” Grundbedürfnisse ihrer Artgenossen schlicht ausgeblendet haben?
Bzw.: wären sie überhaupt reich geworden, wenn sie sich (sehr) sozial verhalten hätten? – und mit sozialem Verhalten meine ich NICHT die häufig nachfolgende Image-Phase in finanzieller Entspannung, häufig begleitet mit Reden und Spenden, sondern die harte Phase, als es um das Aufschichten von Summen ging?
Sehen auch Sie die hart erarbeiteten Summen vieler Anleger als Peanuts?
Finden auch Sie es normal, dass Dienstleister wie Banken ihre Dienste für “Normalos” weitestgehend einschränken?
Finden Sie es völlig in Ordnung, wenn Konzerne mal eben xx% ihrer Belegschaft auf die Straße wirft, da sich ein schlankes Unternehmen an der Börse besser macht, wobei sie durch diese gekündigte Belegschaft aber überhaupt erst Konzern werden konnten?
Ich könnte mehrere Ihrer Sätze nehmen, die ich völlig in Ordnung finde, aber auch mehrere, die ich so nicht stehen lassen kann. Ich bringe mal eine analoge Frage zu Ihrem Statement oben:
wer hat die Pyramiden, Stein für Stein im Schweiße seines Angesichts in Wüsten-Hitze gebaut, wer fiel bei den Bauarbeiten aus ungesicherten Höhen in die Tiefe, wer brach zusammen, weil er einfach nicht mehr konnte?
Was denken Sie, wie die korrekte Antwort lautet??
naja – ich mach’ hier mal eine Pause und lass’ Ihnen die Chance, ggf. darüber nachzudenken.
Nur noch abschließend zu mir selbst: mir geht es NICHT um Neid, Gier, Mißgunst o.ä., da ich diese Attribute nicht habe und bin erst recht KEIN Erfolgshasser, im Gegenteil. Das beweise ich u.a. in o.g. Xing-Gruppe ASSE, in der ich mein Kreativpotential KOSTENFREI anderen zur Verfügung stelle – übrigens absolut unabhängig von deren Position oder Vermögen. Und das mache ich auch ausserhalb der Gruppe.
Mir geht es schlicht um “Gerechtigkeit”, Fairneß und wenn es das beides schon nicht in unserer Ellbogengesellschaft gibt, dann bitteschön wenigstens ein Bewußtsein um Ursache und Wirkung.
Alles andere ist in meinen Augen leider nur blind oder eben noch in der etwas grünen Entwicklungsphase, in der man natürlich geneigt ist, an das Gute der Erfolgreichen zu glauben.
Das ist im Grunde für die Masse auch vermutlich sogar vorteilhaft, weil sie dadurch eher ein scheinbar greifbares Ziel vor Augen haben.
Nur eines ist es nicht: sozial verträglich und in ganzheitlichem Sinne gesund, weitsichtig und schlau – schon gar nicht global.
Denn es könnte selbst den Reichen noch WESENTLICH besser gehen, und zwar sowohl monetär als auch in Bezug auf Image und Psyche.
Dazu ggf. gern ein andermal mehr..
in diesem Sinne wünsche ich Ihnen noch einen schönen Abend
mit bestem Gruß
db