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Die Goethe-Regel.

Wir leben miteinander nach Regeln, die sich mal mehr zu den Gesetzen neigen, mal mehr zu den Ratschlägen. Heute geht es um letztere, in Gold, in Platin und dann, noch eins drauf gesetzt, wo die Metallurgen nichts mehr zu bieten haben, in Goethe.

Mein erster Redakteur machte mich kirre. Immer, immer, immer strich er mir meinen letzten Satz weg. Wirklich immer. Als frischer Zeitungs-Hospitant, wir schreiben das Jahr 1989, tippte ich meine Artikel, die er redigieren sollte, in der Redaktion der Rheinpfalz, Außenstelle Landau in der Pfalz. Er, der Doktor der Musikwissenschaft, war dort Redakteur, seinen Namen habe ich vergessen. Ganz egal, ob ich bei der Eisenbahnergewerkschaft, beim Streichquartett, beim Schulfest gewesen war: Mein letzter Satz musste immer dran glauben. Dabei hatte ich mir gerade mit letzten Sätzen immer schon so viel Mühe gegeben. Denn so ein Artikel wird mit Schlussgong, sanft gestreichelt oder wütend geschlagen, erst richtig schön.

Ist ja nicht so, dass ich geduckmäusert hätte. Jeder gestrichene Schlusssatz (damals noch mit scharfem S geschrieben) gab eine ausgiebige Diskussion. Nie konnte er mich überzeugen, doch immer setzte er sich durch. Ober sticht Unter, Redakteur entscheidet über Hospitant. Was tun?

Den Krieg konnte ich niemals gewinnen, wenn weiterhin jede Schlacht verloren ging. Also schrieb ich fürderhin taktisch. Erst in aller Autonomie meinen Artikel mit meinem Schlusssatz, sanft gestreichelt oder wütend geschlagen, auf jeden Fall schön. Dann, wenn ich zufrieden war, pappte  ich noch einen letzten Satz hinter meinen letzten Satz. Den warf ich, ohne es zu thematisieren, dem Redakteur zum Fraß vor. Es klappte hervorragend, er schlang jeden Happen ungekaut runter wie ein Löwe nach einer Salat-Diät. So hatten wir beide unsere Erfolge – und unseren Frieden.

Heute frage ich mich, ob das richtig war. Schließlich habe ich ihn ja irgendwie belogen, hintergangen. Jedoch war es für einen guten Zweck, eigentlich derer zwei. Ich bekam meinen Artikel genau so ins Blatt, wie ich das wollte, von dankbar angenommenen Korrekturen seinerseits abgesehen, denn er ließ die Finger von meinem eigentlichen Schlusssatz und hatte dabei das Gefühl, eine echte Autorität zu sein. Am Ende ging es ihm also besser als vorher. Ich neige zu dem Schluss, dass damit alles gut war.

Lange dachte ich, ich hätte damit die Platin-Regel der Kommunikation befolgt, die ich später kennenlernen sollte. Dr. Tony Allesandra hat sie formuliert und sie dreht alles, was die Goldene Regel der Kommunikation vorgibt, auf links. Die Gold-Regel besagt nämlich, dass man andere so behandeln soll, wie man selbst behandelt werden möchte. Ist doch nicht schlecht, oder?

Doch was, wenn ein Begeisterter auf einen Buchhalter trifft, ein Machtmensch auf einen Beziehungstäter, ein Moralist auf einen Pragmatiker? Genau, das geht schief. Die Platin-Regel hilft hier weiter. Denn sie sagt: „Behandle den anderen so, wie er behandelt werden möchte“.

Denn wenn ich erkenne und berücksichtige, was der andere für ein Typ ist, kann ich so kommunizieren, wie es für ihn angenehm, zielführend und damit für alle erfolgversprechend ist. Hätte ich die Platin-Regel als Hospitant in der Zeitungs-Redaktion gekannt, ich hätte die Persönlichkeit des Redakteurs erkennen und darauf gestützt versuchen können, ihm meine Schlusssätze anzudrehen. Stattdessen habe ich den Weg des geringsten Widerstands gewählt. Seinem dominanten Teil habe ich damit sicher nicht geschadet, immerhin.

Es gibt noch eine höhere Regel, die ich persönlich sehr schön finde. Und das nicht nur, aber auch, weil sie Goethe-Regel genannt wird, hat sie der hessische Freiherr doch in „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ aufgestellt: “Verhalte Dich so, wie der andere sein könnte, denn das macht ihn besser.”

Wenn wir davon ausgehen – und ich hege nicht den geringsten Zweifel daran – dass wir werden, was wir denken und sind, was wir kommunizieren, steckt in dieser Regel etwas wahrhaft erhebendes. Denn meine Aufgabe ist es dann nicht nur, den anderen zu erkennen, sondern in ihm das Bessere zu sehen, das er werden kann und ihm sprichwörtlich die Hand zu reichen, um dorthin zu gelangen. Eigentlich, wenn ich mich so schreiben höre, ist das genau das, warum ich diese Geschichte und so viele andere geschrieben habe und noch viele schreiben werde: “Schreibe so, dass der andere ahnt, wie er sein könnte, denn das macht ihn besser.”

Ich bin Guido Augustin, Speaker und Bestsellerautor, dies ist Guidos Wochenpost. 

✅ Ich habe, inspiriert von einem Instagram-Beitrag, eine Leseliste veröffentlicht. Sie enthält Bücher, die ich gerade lese oder gelesen habe, selbstredend alles ganz heiße Empfehlungen, derer nach und nach mehr hinzukommen werden. Hier geht es zu „Guidos Leseliste“.

✅Kommenden Samstag, 10.11., steigt in Bochum das Werteforum. Da stehen vier richtig Gute auf der Bühne, einer davon bin ich. Hier gibt es alle Infos zum Programm, das Tagesticket kostet 89 Euro. Ich hatte zwei Freitickets, die sind nun weg. Alle, die noch dabei sein wollen, dürfen diese Schutzgebühr investieren.

✅ Am 17.11. stehe ich bei der „Empfehlungsoffensive“ meines Freundes Frederik Malsy auf der Bühne. Ich hatte ja schon einen Gastauftritt in seinem Buch „Der Empfehlungsmagnet“ – und nun setzen wir das auf der Bühne fort. Systematisches Empfehlungsmarketing ist ja eines meiner großem Themen. Die Tickets gibt es (solange es welche gibt) hier. Sehen wir uns auf diesem Power-Tag für mehr und besseres Geschäft?

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