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Von Schwimmbadeuros und japanischen Edelfans.

Meine Traumfrau hat sich gerade öffentlich darüber gefreut, in einem Schwimmbadschrank einen Euro gefunden zu haben. Doch wenn wir Geld brauchen und kein passender Geldautomat in der Nähe ist, nehmen wir schon mal 4,50 Euro Gebühren in Kauf. Geld und unser Umgang damit – eine wirre Welt.

Mit „unser Umgang“ meine ich übrigens die gesamte Menschheit, soweit ich sie zeitlebens beobachten konnte. Es ist aber auch zu verrückt: Da zahlst du bei Starbucks oder einem anderen Café-Hip-Laden 4,50 Euro und mehr für eine Tasse Kaffe mit Milch, gehst raus und winkst ab, wenn ein Penner dich nach Kleingeld fragt. Da buchst du denn billigsten Flieger nach Berlin, Malle oder Malediven und kauft dann Zusatzversicherungen. Im Urlaub gibst du am Ende viel mehr pro Tag aus als am Anfang. Du leistest dir keine Fortbildung für 800 Euro, kaufst aber Felgen für 1.600 Euro, die du nicht mal sehen kannst, wenn du im Auto sitzt. Du zahlst auf dem Oktoberfest 16 Euro für ein Bier und bekommst garantiert weniger als einen Liter, während bei Rewe das Augustiner im Kasten 1,85 Euro pro zuverlässigem Liter kostet.

Während der Fußball-WM 2006, dem Sommermärchen, war als ich Fahrer der Mannschaften am Standort Kaiserslautern eingesetzt. Mein Team und ich fuhren die Saudis, den späteren Weltmeister Italien, Australien und Japan. Während die japanische Nationalelf in dem Luxushotel in Homburg/Saar residierte, gesellte sich ein Edelfan zu ihnen. Er galt, so munkelte man, als einer der reichsten Japaner überhaupt, soll mehrere Universitäten besessen haben. Zu seiner Entourage gehörten ein Schwarzenegger-Double als Fahrer einer Strech-Limo, zwei bildhübsche japanische Sekretärinnen mit durchsichtigen Kleidern und eine blickdichte Deutsche.

Einerseits ließ der gute Mann sich seine WM-Abenteuer wohl einiges kosten. Während des Aufenthaltes in dem Hotel besorgte sein Team und das Hotelpersonal auf sein Geheiß alles mögliche, das Hotel legte vor, er wolle am Ende die gesammelten Belege in einem begleichen. Andererseits: Am Tag der Abreise saß er dann mit der Blickdichten in der Lobby und kontrollierte die Quittungen persönlich. Den ganze Stapel. „Nein“, rief er da, „das bezahle ich nicht!“ Es war eine Bestellung mehrerer Pizzen. Die wackeren Backofen-Italiener hatten 2,50 Euro für die Lieferung berechnet. Doch der reiche Japaner hatte seinen Fahrer geschickt, den Taschen-Terminator.

Ich weiß heute noch nicht, wie ich das finden soll. Zuerst dachte ich „wow, so wirst du reich“, andererseits tut der Mann mir auch Leid, so viel Furcht scheint er zu haben …

Unser Umgang mit Geld ist alles andere als logisch, schon gar nicht linear. Meine Traumfrau hat das treffend beschrieben, denn einerseits freust du dich über den Schwimmbad-Euro, andererseits verweigerst du die Investition in Home Staging und reduzierst lieber den Verkaufspreis deines Hauses um einen Betrag, für den du mehrere Monate arbeiten musst. Mal eben so.

Meine liebste Geldübung habe ich von einem ehemaligen Kollegen, mit dem ich weiland während des Studiums am ZDF jobbte: Wenn ich einen oder zwei Cent Wechselgeld bekomme, lasse ich diese Münze dezent fallen oder – je nach Szenerie – kicke sie dramatisch weg. Für mich ist das kein spürbarer finanzieller Verlust. Doch ich weiß, dass ich damit dem Finder eine große Freude mache.

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