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Das Geheimnis.

Manches muss man verlieren, um seinen Wert zu schätzen. Und manches muss man haben, um zu wissen, dass man es gar nicht will. Nicht alles, was wir verlieren, wollten wir haben. Das Leben ein Land der Parabeln.

Ich hatte einen Porsche übers Wochenende geliehen. Tolles Auto, fantastische Maschine, doppelt so schnell durch Kurven, beim Kickdown mit 240 Sachen schaltet das Höllenteil zwei Gänge zurück und schiebt nochmal los. Nach dem Wochenende war ich heilfroh, wieder in meinen süßen kleinen Fiat Cinquecento zu steigen. Es fühlt sich ungleich besser an, wenn Menschen einem zulächeln als wenn sie missgünstig oder feindlich nach unten ins Cockpit glotzen. Doch das Entscheidende: Dieses Raser- und Genießerwochenende war ich hochkonzentriert viel zu schnell unterwegs. Doch ich weiß genau: Steige ich jeden Tag in so ein Geschoss, geht die Konzentration irgendwann flöten und das Risiko steigt exponentiell. Da bekam ich Angst.

Ich hatte mal eine schlechte Ehe, deswegen weiß ich jetzt, wie glücklich ich mit meiner Traumfrau Cornelia bin – bis zum letzten Atemzug.

Ich wollte 120 Jahre alt werden, doch jetzt sehe ich viele Alte, die leiden. Es geht ihnen körperlich schlecht, sie haben Schmerzen, sie haben Angst, sie sind traurig. Ich sehe viele Alte, bei denen sich dichter Nebel über den Geist legt. Sie suchen nach Wörtern und Verwandschaftsgraden, sie erinnern sich an den Alltag nicht mehr, was sie Jahrzehnte konnten, können sie nicht mehr. Sie vergessen ihr Leben und fahren im Aufzug sanft nach unten. Das könnte nett sein, sanft umhüllt lächelnd und tiefenignorant in den Tag zu leben, doch dann trifft sie ein Lichtstrahl und sie begreifen für einen Tantalus-Moment ihre Lage.

Ich weiß nicht, ob ich das will. 120. Deswegen suche ich andere Konzepte des Alters, Vorbilder und Strategien, ich suche nach fröhlichen, gesunden, beweglichen, geistig frischen alten Menschen und ihren Geheimnissen. Über Hinweise freue ich mich sehr!

Vielleicht ist es ja besser, mit hohem Tempo, viel Spaß und enormer Verschwendung zu leben, als das eigene Leben um seiner selbst zu strecken und daran zu leiden. Die Kinder werden so traurig sein, denke ich dann. Doch die Kinder werden sowieso traurig sein. Wenn es Zeit ist, traurig zu sein, tröstet das Wissen, dass ein Alter ein Alter erreicht hat, das über dem Schnitt liegt. Aber dieser Trost ist so federleicht in den Böen der Trauer.

Das Größte an der Trauer ist der ewige Verlust. Das ist keine Altersfrage.

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