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Bitte lass mich kaufen.

Es gibt wenig, worüber es sich aufzuregen lohnt. Wenn, dann eigentlich immer nur, wenn ich etwas einfach nicht verstehen kann, was die Gewissheit impliziert, dass es nicht sein müsste, wie es ist. Das gilt für meinen Verein Mainz 05, der es nie schafft, seine Gäste während der Halbzeitpause eines Bundesligaspiels auf die Toilette zu lassen und ein Bier zu kaufen – beides dauert zu lange, keine Chance, zum Wiederanpfiff zurück auf seinem Platz zu sein. Das gilt für die Platzierung, Absperrung und Dauer von Baustellen auf unseren Autobahnen – juckt ja niemanden, wenn tausende Menschen Stunden im Stau verbringen, die Umwelt belasten, ihre Produktivität minimieren und Nerven lassen. Das gilt für Menschen, die davon leben, anderen etwas zu verkaufen, diese aber nicht lassen und sich die allergrößte Mühe geben, ihre Interessenten loszuwerden. Diesen ist dieser Text gewidmet.

Da will ich einem regionalen Autohändler, ohnehin eine sterbende Spezies, etwas Gutes tun, Thema Winterreifen. Anstatt ganz bequem von zuhause online Preise schnell zu vergleichen und für weniger Geld bessere Produkte zu bekommen, entscheide ich mich für die teurere, aufwändigere, langsamere Variante. Ich bin durchaus bei Trost, denn Kundenbindung ist ja eines meiner Schwerpunktthemen und aus Verbundenheit war ich bereit, Kompromisse einzugehen.

Also schrieb ich dem Händler meines Vertrauens eine Mail mit meinem Wunsch. Dafür bekam ich einen Rückruf, den ich verpasste, er hinterließ eine Nachricht auf meiner Sprachbox, ich solle ihn zurück rufen. Obwohl er wusste, was ich wollte. Er hätte ja schon zur Sache kommen können. Na gut, lag alles noch im Toleranz-Korridors meiner Kundenbindung. Ich rufe also zurück. Ja, er habe da vier Reifen, soundsoviel kosteten sie, das Gespräch würde gleich abbrechen, sein Akku sei alle. So geschah es. Das Gespräch brach ab, der Akku war alle. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört und am Tag darauf online bestellt – binnen 5 Minuten den Testsieger für einen Top-Preis, wird an den Monteur ums Eck geliefert, sie melden sich, wenn alles da ist.

Da haben wir einen Fotografen für Geld engagiert, klar und deutlich als Probearbeit deklariert, klar und deutlich avisiert, dass bei Gefallen weitere Aufträge folgen. Was kommt nicht? Die Fotos kommen nicht. Zwei Mal hält er selbst gesetzte Termine nicht ein, auf Nachfrage liefert er dann binnen zwei Stunden. Mit dem Hinweis, dass er zukünftig, wenn es ernst gemeint sei, auch schneller liefern werde, zuletzt hätten ihn zwei Stammkunden engagiert und deren Aufgaben habe er höher priorisiert. Übersetzt heißt das: „Lieber Kunde, du hast mich engagiert und ich habe Termine zugesagt. Aber das war mir egal, als andere Kunden riefen. Dein Auftrag war mir nicht so wichtig. Sogar so unwichtig, dass ich dir nicht verraten habe, dass es später wird.“ Eine wunderbare Beziehung beginnt anders – und endet so, bevor sie dazu werden kann.

Es gibt viele Trainer, Coaches, Kurse, Seminare, Bücher, die behaupten, es sei schwer, zu verkaufen. Dafür bieten sie dann Lösungen an. Vielleicht haben sie Recht und verkaufen ist wirklich schwierig. Doch allzu oft ist auch kaufen schwierig. Was bitte sollen wir tun, außer Kaskaden von Kaufsignalen aussenden, außer am Tresen stehen mit dem Wunschprodukt, außer von ganz alleine anzukommen. Nur zu oft wollen wir kaufen, doch sie lassen uns nicht. Sie ignorieren uns, verstoßen uns, quatschen uns aus dem Laden.

Ihr lieben Menschen, die ihr etwas verkauft, denkt mal drüber nach. Denkt mal drüber nach, was ihr zu verkaufen habt, wie eure Mitmenschen (auch Käufer genannt) euch zeigen, dass sie wollen und was ihr alles tut, um sie daran zu hindern. Vielen lieben Dank.

Ich bin Guido Augustin, Speaker und Bestsellerautor, dies ist Guidos Wochenpost. 

✅ Ich habe, inspiriert von einem Instagram-Beitrag, eine Leseliste veröffentlicht. Sie enthält Bücher, die ich gerade lese oder gelesen habe, selbstredend alles ganz heiße Empfehlungen, derer nach und nach mehr hinzukommen werden. Hier geht es zu „Guidos Leseliste“.

✅ Mein neues Buch „Kennst du es nur oder kennst du es auch“ ist erschienen. Hier gibt es weitere Infos, hier kann es bestellt werden – oder selbstredend überall im Buchhandel.

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