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Mein Freund, der Zweifel.

Ich habe einen Freund, den ich sehr mag. Er ist ehrlich zu mir und redet mir nicht nach dem Mund. Wie oft stellt er sich mir in den Weg, hält mich zurück. Das nervt mitunter sehr und manchmal werfe ich ihm vor, mutlos und unverständig zu sein. Meistens freue ich mich, wenn er mich besucht, halte ihn auf Dauer jedoch kaum aus und bin dann jedes Mal froh, wenn er wieder gegangen ist. Mein Freund, der Zweifel.

Nun bewege ich mich als Speaker und Autor viel in Kreisen, die diesen Freund nicht kennen, nicht kennen mögen oder wenigsten öffentlich leugnen. Wir sind ja alle Experten, Top-Experten und Spitzen-Top-Experten. Durch meinen Feed auf Instagram zu scrollen ist extrem ermüdend, nach vier Mal wischen haben meine Freunde mir dort bereits 18 Sinnsprüche um die Ohren gehauen. Ganz nach Paracelsus macht auch hier die Dosis das Gift und in dieser hohen Konzentration sind sie kaum zu ertragen. Dabei mache ich ja selber mit.

Es hat sicher einen Grund, warum wir immer mehr Berater, Coaches, Trainer und andere Menschen mit potenziell weltverbessernden Berufsbildern haben. Die meisten bestreiten ja damit tatsächlich ihr Auskommen, die einen besser, die anderen schlechter, manche sehr gut. Einer der Gründe dafür liegt in der Natur des Menschen, der Orientierung sucht. Der wissen will, welchen Weg er einschlagen soll, welches Vitamin, welche Vertriebsmethode, welches Outfit ihm hilft, seine Ziele zu erreichen.

Und weil das so ist, wünschen wir uns Experten, die klare Ansagen machen. Mein Freund, der Zweifel, hat dabei keinen Platz.

Ein anderer lieber Freund wurde plötzlich krank. Das stimmt nicht ganz, eigentlich wurde er nicht plötzlich krank, es wurde zu einem bestimmten Zeitpunkt entdeckt, dass sich in seinem Körper etwas verändert hatte. Von einem Moment auf den anderen sprang ihn die Maschine der Schulmedizin an. Maschinen, Labore und Menschen produzierten binnen weniger Tage jede Menge Daten. Von der Interpretation dieser Daten, der Diagnose, und den richtigen Schlüssen aus diesen Daten, der Therapie, hing das Leben meines Freundes ab. Keine angenehme Situation, am wenigsten für ihn selbst.

Naheliegend, dass er sich einen Experten wünschte, der ihm in seiner Unsicherheit klare Aussagen lieferte. Der Chefarzt, wünschte er sich, sollte all die Messergebnisse durchsehen und zwei Sätze sagen, von denen einer mit „Sie haben …“ und der andere mit „wir machen jetzt folgendes …“ beginnen sollte. Vielleicht noch ein „machen sie sich keine Sorgen, das bekommen wir sicher hin“.

Nun wissen wir jedoch aus unzähligen Studien, dass die Intuition von Experten sehr häufig sehr daneben liegt. Daniel Kahnemann berichtet in „Schnelles Denken, langsames Denken“ beispielsweise von Spitzenmanagern der Finanzindustrie, die Kursentwicklungen vorhersagen sollten. Die Ergebnisse waren verstörend schlecht. Er führt noch weitere Beispiele aus weiteren Berufsgruppen an und belegt, dass vor allem Experten, die optimistisch an ihre Fragestellungen herangehen, zur Selbstüberschätzung neigen – oder dass Experten, die zu optimistisch sind, zur Selbstüberschätzung neigen.

Dieser enormen Fehlerquote steht jedoch eine gegensätzliche Beobachtung entgegen: Zur Selbstüberschätzung neigende Experten tendieren dazu, sich selbst und ihre Aussagen bis an die Grenze der Erträglichkeit aufzublasen und mit so einer Selbstsicherheit und Überzeugung aufzutreten, dass sie deutlich häufiger in den Medien zitiert und in Talkshows eingeladen werden. Halbgötter in weiß, Rauten, magenta: It’s Showtime!

Mein Freund der Zweifel scheint auch hier nicht erwünscht zu sein. Wie bei meinem kranken Freund. Doch dessen Wunsch nach klarer Ansage wurde nicht erfüllt. Sein Chefarzt sagte, er sei sich nicht sicher, zählte eine Reihe mögliche Diagnosen auf und bekannte, dass er sich noch nicht festlegen könne, wie es denn jetzt genau um meinen Freund stehe.

Am Ende scheint alles gut geworden zu sein mit meinem Freund, die zu diesem Zeitpunkt bestmögliche Diagnose bewahrheitete sich und die Therapie schlug an. Doch in diesem frühen Moment hätte er sich viel mehr Klarheit gewünscht.

Unsere Coco-Laetitia de Bruycker hatte solche Experten an ihrer Seite, als sie ihr Leben mit der Körperbehinderung zunächst erkennen und dann neu bestimmen musste. Die besten Physiotherapeuten und Ärzte mit der meisten Erfahrung, der höchsten Reputation und den besten Möglichkeiten. Ihre Mutter ist wahrlich jede Extrameile gegangen, um für ihr Kind das beste Ergebnis zu bekommen. Diese Experten waren sehr klar und frei des Zweifels, zweifelsfreie Ansage: Trotz allen Engagements werde sich das Krankheitsbild verschlimmern, wenn sie größer werde. In der Pubertät werde sowieso alles schlimmer und sie werde, bald danach beginnend, ihr Leben im Rollstuhl verbringen. Nichts zu machen.

Da ich zu der Zeit schon als Stiefvater in ihr Leben getreten war, stellte ich ihr, ohne dass ich das so formuliert hätte, meinen Freund, den Zweifel vor. „Ärzte können nicht in deine Zukunft sehen“, sagte ich ihr seinerzeit und wundere mich bis heute, woher diese Worte kamen, „sie kennen nur die Vergangenheit anderer Menschen und aus deren Vergangenheit schließen sie auf deine Zukunft. Vielleicht haben sie Recht damit, was sie dir sagen, vielleicht aber auch nicht!“

Coco glaubte mir.

Trotz aller Zweifel, Ängste und Schmerzen stemmte sie sich tapfer gegen die Diagnose, arbeitete hart und vor allem kontinuierlich daran, diese Prognose nicht wahr werden zu lassen. Während der Pubertät stieg sie aus dem Rollstuhl, den sie für längere Strecken nutzte. Sie spielte Theater, machte Abitur an einem „ganz normalen“ Gymnasium, war als Aupair in London und studiert jetzt Filmschauspiel an der New York Film Academy in Los Angeles. Für ihre Ausbildung hat sie bisher rund 30.000 Dollar über Crowdfunding eingesammelt. Das reicht aber noch nicht ganz.

Mit, trotz, wegen ihrer Behinderung ist sie mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Weg zu einer vielbeachteten und erfolgreichen Schauspielerin. Wenn diese Geschichte dich berührt, wenn du Teil ihres Traums sein möchtest, den sie sich gerade selbst erfüllt, wenn du irgendwann bei der Oscar-Verleihung mit uns weinen möchtest, weil die kleine Coco, die im Rollstuhl enden sollte, als große Schauspielerin ausgezeichnet wird, dann unterstütze bitte heute, jetzt und hier ihre Kampagne #LaCocoLoca, auf www.cocodebruycker.com gibt es einen Spendenbutton. Danke!

Wieder zurück von Cocos Seite? Prima. Mein Freund, der Zweifel, ist anstrengend und reduziert die Geschwindigkeit. Doch er ist uns ein guter Ratgeber, wenn wir ihn erkennen, anerkennen, ernst nehmen, aber so wenig als unfehlbaren Experten annehmen wie Coco ihre Therapeuten.

Wenn wir uns also bis hierher einig sind, dass mein Freund, der Zweifel, hilfreich sein kann, hätte ich ein tolles Angebot, wie man ihm die Tür öffnen kann, die allzu eifrige Schnelldenker und Top-Experten zugeschlagen haben.

Wenn nämlich eine Entscheidung ansteht, an der mehrere Menschen beteiligt sind, laufen dynamische Prozesse, die den Zweifel mehr und mehr zurück drängen und zur Konformität führen. Irgendwann will man der Entwicklung nicht mehr im Weg stehen, nichts aufhalten, was schon so weit ist. Was in solchen Momenten hilft, ist die „Pre Mortem“-Methode, die Gary Klein entdeckt hat.

Die Idee: Teams halten unmittelbar vor einer Entscheidung inne, beamen sich gedanklich ein Jahr in die Zukunft: „Liebe Freunde, stellt euch vor, unser Projekt ist vor einem Jahr gestartet worden und nun wissen wir, es war eine Katastrophe. Wir wissen aber nicht, warum. Bitte nehmt euch zwei Minuten Zeit und schreibt alles auf, was ihr dazu sagen könnt, warum das so schief gehen konnte“.

Mein Freund, der Zweifel, schlägt jetzt Purzelbäume, denn er wird wieder sichtbar, darf sich zeigen und Gutes tun. Die gesellschaftlichen Sanktionen, wenn er sich meldet, sind plötzlich weg. Diese kleine Methode kann helfen, große Schäden zu vermeiden, denn die Geschichten des zukünftigen Scheiterns stecken voller wertvoller Hinweise, denen nachzugehen sich extrem lohnen kann.

So werden Schäden durch Verzerrung der Informationsverfügbarkeit und durch übertriebenen, weil unkritischen Optimismus verringert, wenn nicht minimiert.

Ich habe einen Freund, den solltest du mögen. Er ist ehrlich zu dir und redet dir nicht nach dem Mund. Wie oft stellt er sich dir in den Weg, hält dich zurück. Das nervt mitunter sehr und manchmal wirfst du ihm vor, mutlos und unverständig zu sein. Meistens freust du dich, wenn er dich besucht, hältst ihn auf Dauer jedoch kaum aus und bist dann jedes Mal froh, wenn er wieder gegangen ist. Dein Freund, der Zweifel.

P.S.: Ich habe bald Geburtstag, am 20. November, um genau zu sein. Und mittlerweile starten ja viele auf Facebook Spendenaktionen. Das hätte ich auch gerne gemacht, jedoch ist Coco de Bruycker keine gemeinnützige Organisation, deswegen nicht auf diese Weise wählbar. Weil ich jedoch überzeugt bin, dass sie noch sehr vielen großen und kleinen Menschen sehr viel Freude machen wird (und was kann gemeinnütziger sein als das?), mache ich es auf diesem Weg und bitte zu meinem Geburtstag um Spenden für Cocos Ausbildung.
Also bitte auf www.cocodebruycker.com gehen, den orangenen Spendenbutton drücken und bei „Preis pro Stück“ den Betrag einsetzen.

Ich bin Guido Augustin, Speaker und Bestsellerautor, dies ist Guidos Wochenpost. 

✅ Ich habe, inspiriert von einem Instagram-Beitrag, eine Leseliste veröffentlicht. Sie enthält Bücher, die ich gerade lese oder gelesen habe, selbstredend alles ganz heiße Empfehlungen, derer nach und nach mehr hinzukommen werden. Hier geht es zu „Guidos Leseliste“.

✅Kommenden Samstag, 10.11., steigt in Bochum das Werteforum. Da stehen vier richtig Gute auf der Bühne, einer davon bin ich. Hier gibt es alle Infos zum Programm, das Tagesticket kostet 89 Euro. Ich hatte zwei Freitickets, die sind nun weg. Alle, die noch dabei sein wollen, dürfen diese Schutzgebühr investieren.

✅ Am 17.11. stehe ich bei der „Empfehlungsoffensive“ meines Freundes Frederik Malsy auf der Bühne. Ich hatte ja schon einen Gastauftritt in seinem Buch „Der Empfehlungsmagnet“ – und nun setzen wir das auf der Bühne fort. Systematisches Empfehlungsmarketing ist ja eines meiner großem Themen. Die Tickets gibt es (solange es welche gibt) hier. Sehen wir uns auf diesem Power-Tag für mehr und besseres Geschäft?

✅ Save the date: Am Freitag, 23.11. ab 17 Uhr stelle ich mein Buch „Kennst du es nur oder kannst du es auch – die besten Kolumnen für Umsetzer„, live in der Buchhandlung Hugendubel in Mainz, Am Brand, vor. Mein Weinsponsor Traubenglück ist am Start, mein Graphic Recorder Stephan Frank ist am Start – Du auch? Dann melde dich bitte kostenlos hier an, damit wir besser planen können!

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